ARTIST STATEMENT

Meine künstlerische Praxis verortet sich im Kern eines spezifischen Wiener Gefühls: Einer Melancholie, die zwischen Morbidität und vitalem Aufbegehren oszilliert. Im Resonanzraum dieser psychologischen Topografie begreife ich Identität nicht als statisches Konstrukt, sondern als permanenten, kathartischen Akt des inneren Abriebs.

Der figurative Expressionismus dient mir hierbei als Seismograf jener emotionalen Deformationen, die tief in der Identität dieser Stadt verankert sind. Am Anfang dieses Prozesses steht die Auseinandersetzung mit immateriellen Impulsgebern: Neben Akten der Ekphrasis – der Übersetzung sprachlich-literarischer Vorlagen – fließen auch musikalische Strukturen und auditive Frequenzen als Katalysatoren in meine Praxis ein.

Auf der Suche nach einer adäquaten materialen Manifestation dieser Reize bricht meine Arbeit die klassische Oberfläche der Malerei auf – vorzugsweise durch die Integration archaischer Mixed-Media-Elemente wie Jute, Maulbeernholzpapier und roher Naturfasern. Diese rauen Stofflichkeiten fungieren in meinem Werk als textiles Äquivalent einer somatischen Panzerung: Sie sind porös, verletzlich und analog zur Textur des Wienerischen.

Die dekonstruktive Assemblage, das Schichten, Reißen und Übermalen, das meine Praxis zumeist dominiert, reinszeniert so den schmerzhaften Prozess der Katharsis: Ein rituelles Ablegen, Freilegen und Rekonstruieren des fragmentierten Selbst. Die entstehenden Figuren sind keine Abbilder, sondern somatische Relikte eines zutiefst Wienerischen Zustands des Übergangs.